Wenn der Kinderwunsch noch ganz frisch ist, ist alles ganz einfach: alles ist neu und aufregend. Ich habe mich damals ein bisschen wie am Anfang unserer Beziehung gefühlt. Der gemeinsame, für alle anderen geheime, Herzenswunsch hat uns in dieser Zeit noch mehr zusammengeschweißt. Und nach so vielen Jahren Pille ist auch der erste Sex ohne Verhütung einfach etwas Besonderes. 

Leider lässt diese Aufregung nach ein paar Monaten nach und es haben sich, bei mir, erste Zweifel eingeschlichen. Ob mit unserer Fruchtbarkeit wirklich alles okay ist? Mein Mann war damals total optimistisch und hat meine Sorgen abgetan. Das war in dieser Zeit für mich aber kein Problem – insgeheim habe ich ja gehofft, dass er recht hat und wir einfach etwas Geduld haben müssen.

Das erste Mal gefühlsmäßig so richtig auseinander lagen wir ein paar Woche nach meiner ersten Fehlgeburt. Wir waren aus dem Urlaub zurück, mein Mann ist wieder zur Arbeit gegangen und ich hatte insgesamt den Eindruck, dass er einfach wieder voll und ganz im Alltag angekommen ist. Bei mir kam zu diesem Zeitpunkt aber erst so richtig die Erkenntnis hoch:

„Krass – ich hatte eine Fehlgeburt!“

Bei mir haben sich in diesen Wochen sehr viele Gedanken um die Fehlgeburt gedreht und vor allem auch um die Frage, was das jetzt für künftige Schwangerschaften heißt. Mein Mann war zwar traurig, aber das hat – aus meiner Sicht – nur einen kleinen Teil in seinem Leben eingenommen. Er war weiter optimistisch, dass wir bald ein Baby haben werden und hat sich darüber gefreut zu wissen, dass wir immerhin gemeinsam schwanger werden können. Ich habe in dieser Zeit zum ersten Mal realisiert, dass ich am Ende des Tages mit meinen Gefühlen wohl alleine bin. Abgesehen von ein, zwei kleineren Streits hat das aber zu keinen Unstimmigkeiten zwischen uns geführt. Ich fand seine Einstellung ja immer noch hilfreich und habe gehofft, dass ich vielleicht einfach zu sorgenvoll bin.

Wirklich toll war, dass mein Mann in den nächsten Monaten für alle weiteren Schritte (Spermiogramm, Kinderwunschzentrum, Bauch- und Gebärmutterspiegelung, Inseminationen etc.) offen war und wir uns auch beim Zeitplan immer schnell einig waren. Ich denke dadurch konnten wir wirklich gravierende Probleme, die Paare mit Kinderwunsch haben können, erfolgreich umschiffen. 

Eine wirklich schwierige Zeit war dennoch die Phase nach meiner zweiten Fehlgeburt und die beiden Inseminations-Zyklen. Nach der zweiten Fehlgeburt war ich sehr schockiert, vielleicht sogar traumatisiert, weil der gesamte Verlauf der Fehlgeburt sich so lange hingezogen hat und von vielen Auf und Abs geprägt war. Ich war jetzt sicher, dass bei mir ernsthaft etwas nicht stimmt und hatte die Befürchtung, dass vielleicht jede Schwangerschaft in einer Fehlgeburt enden könnte. Dementsprechend verständnislos habe ich darauf reagiert, wenn mein Mann weiter unbeirrt die Ansicht vertreten hat, dass wir am Ende doch noch ein Baby haben werden. Für mich hat sich das damals so angefühlt, als ob er mich und die „Tatsachen“ (2 Fehlgeburten und Endometriose), nicht ernstnimmt. Dadurch habe ich mich teilweise sehr getrennt von ihm gefühlt. Zwischenzeitlich hat sich unser Kinderwunsch dann sogar eher nach meinem, statt nach unserem Projekt angefühlt.

Eine richtige Lösung für dieses Gefühl des Getrenntseins habe ich dann lustiger weise erst in dem Zyklus gefunden, in dem ich letztendlich schwanger geworden und geblieben bin. Mir ist damals richtig bewusst geworden, dass wir unbedingt an einem Strang ziehen müssen und ich mich nicht mehr als Einzelkämpferin fühlen darf. Mit dieser Erkenntnis habe ich mich hingesetzt und mir aufgeschrieben, wofür ich meinem Mann (in Bezug auf das Kinderwunschthema) dankbar bin. Also z. B., dass er ohne sich zu beschweren zum Spermiogramm geht oder auch, dass er offen für eine Adoption ist. Dadurch wurde mir gleich wieder klarer, dass das alles nicht selbstverständlich ist und er mich doch so gut unterstützt, wie er kann. Danach habe ich noch eine Liste gemacht, in der ich gesammelt habe, was er unserem künftigen Baby alles Positives mitgeben kann und mich dabei vor allem auf die Punkte konzentriert, die bei mir vielleicht nicht so toll ausgeprägt sind (z. B. unerschrocken sein, groß denken etc.). Auch dadurch wurde mir sofort wieder deutlich, dass es hier immer noch um unser künftiges Baby geht, das uns beide brauchen wird. 

Ich wünsche Dir, dass Du mit Deinem Partner immer wieder zusammenfindest und Ihr auch, wenn es manchmal schwierig ist, versucht Verständnis für die Perspektive des anderen einzunehmen!

Deine

Julia Cathérine