Wenn ich auf meine 2,5 Jahre Kinderwunsch zurückblicke, beschleicht mich immer wieder das Gefühl, dass meine Schilddrüse (bzw. ihre nicht optimale Einstellung) doch einen erheblichen Einfluss auf das Zustandekommen meiner 3 Schwangerschaften und insbesondere aber leider auch meiner 2 Fehlgeburten hatte.

Wie ich darauf komme? Schauen wir uns die 3 Schwangerschaften doch mal genauer an:

Schwangerschaft 1: 

Zufällig wurden in dem Zyklus, wo ich letztendlich auch zum ersten Mal schwanger wurde, von meinem Frauenarzt meine Schilddrüsenwerte (TSH, freies T3 und freies T4) überprüft. Das Ergebnis lag mir aber erstmal nicht vor und ein paar Tage später hatte ich endlich nach ziemlich genau einem Jahr Kinderwunsch einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Wir waren natürlich überglücklich. Leider endete diese Freude nach knapp einer Woche ziemlich abrupt mit meiner ersten Fehlgeburt. 

Kurz danach war ich bei meinem Frauenarzt, damit er nachschauen konnte, ob bei dem natürlichen Abgang auch tatsächlich nichts zurückgeblieben ist (was zum Glück auch so war). Bei der Gelegenheit habe ich ihn nach den Schilddrüsenwerten gefragt. Sein Kommentar war: „So schlecht können sie ja nicht sein – sonst wären Sie ja gar nicht schwanger geworden.“

Leider war das Ergebnis für mich als Kinderwunschpatientin sagen wir mal eher suboptimal:

Ob meine Fehlgeburt tatsächlich etwas damit zu tun hatte, werde ich natürlich nie sicher wissen. Die Voraussetzungen für eine stabile Schwangerschaft waren aber zumindest nicht ideal.

Durch den Kommentar meines Frauenarztes und seine Ermutigung, es einfach erstmal weiter zu versuchen, habe ich mir aber erstmal keine weiteren Gedanken gemacht.

Gut ein halbes Jahr später (ich war in der Zwischenzeit nicht wieder schwanger geworden), habe ich mit meinem Frauenarzt vereinbart, dass wir meine Hormone nochmal genauer unter die Lupe nehmen. Dabei wurden u. a. auch wieder meine Schilddrüsenwerte überprüft. Diesmal hat mir die Sprechstundenhilfe die Werte am Telefon mitgeteilt:

  • TSH = 3,30
  • Freies T3 = 3,25
  • Freies T4 = 1,19

Sie hat dazu noch gesagt, dass das TSH vielleicht etwas hoch wäre, man da aber trotzdem erstmal nichts machen müsste. Das kam mir sofort komisch vor, wusste ich doch mittlerweile, dass Kinderwunschzentren ein TSH von ungefähr 1 anstreben.

Abends habe ich meinem Mann gesagt, dass ich mich von der Frauenarztpraxis in meinem Kinderwunsch nicht ganz ernst genommen fühle und gerne mal eine zweite Meinung einholen würde. Wir haben dann zügig einen Termin in einem Kinderwunschzentrum vereinbart, mussten dann aber noch fast 4 Monate auf unseren ersten Termin warten.

Schwangerschaft 2: 

In unserem ersten Gespräch im Kinderwunschzentrum hat sich der Arzt u.a. unsere Vorbefunde angesehen. Meine Schilddrüsenwerten sind ihm gleich ins Auge gefallen und er hat vorgeschlagen, dass ich ab sofort L-Thyroxin in einer niedrigen Dosis (50 Mikrogramm) nehmen sollte. 

Ich habe mir das Medikament besorgt und sofort mit der täglichen Einnahme gestartet. Das muss kurz vor meinem Eisprung gewesen sein. 

Verrückterweise bin ich noch im gleichen Zyklus wieder schwanger geworden. Das Kinderwunschzentrum hat dann bei der Blutentnahme, mit der die Schwangerschaft bestätigt werden sollte, auch das TSH bestimmt und es war immerhin schon auf 1,9 gesunken.

Auch diese Schwangerschaft ist leider in einer Fehlgeburt geendet und auch hier wissen wir natürlich nicht sicher, ob das L-Thyroxin ausschlaggebend für die Schwangerschaft war und, was die Ursachen für die Fehlgeburt waren. Für mich war es aber schon bemerkenswert, dass ich ausgerechnet in dem Zyklus schwanger geworden bin, in dem die einzige „Abweichung“ das L-Thyroxin war (und das nach neun erfolglosen Übungszyklen, gerechnet ab der Fehlgeburt). 

Schwangerschaft 3: 

Nach der Fehlgeburt habe ich die Einnahme vom L-Thyroxin reduziert (von 50 Mikrogramm auf 25 Mikrogramm), weil ich festgestellt hatte, dass ich dadurch Herzrasen bekommen habe. Und das war wirklich sehr unangenehm.

Ein paar Monate später habe ich die Hausärztin gewechselt. Eines ihrer Spezialgebiete sind wohl Schilddrüsenerkrankungen und daher hat sie mir von sich aus angeboten, dass ich die doch mal überprüfen könnte. Dabei kam folgendes raus:

Da ich ihr von meinem Kinderwunsch erzählt habe, hat sie vorgeschlagen, dass man die Werte doch noch etwas optimieren könnte und mir deswegen geraten, die L-Thyroxin Dosis von 25 Mikrogramm auf 37,5 Mikrogramm zu erhöhen. 

Zu diesem Zeitpunkt war ich etwas frustriert und habe mich deswegen nicht gleich um das neue Medikament (ich musste den Hersteller wechseln) gekümmert. Ein paar Wochen später habe ich dann aber doch mit der Einnahme begonnen… und ratet mal: Im gleichen Zyklus bin ich wieder schwanger geworden!!!

Auch hier wurde zu Beginn der Schwangerschaft durch das Kinderwunschzentrum das TSH bestimmt und es lag diesmal, fast wie im Lehrbuch, bei 1,02.

Auch diesmal werden wir nie wissen, was für meine Schwangerschaft ausschlaggebend war, schließlich fand in diesem Zyklus auch die zweite Insemination statt.

Fazit

Insgesamt ist für mich persönlich dennoch ein gewisser Zusammenhang zwischen meinen Schilddrüsenwerten und meinen Schwangerschaften und Fehlgeburten erkennbar – was ja auch absolut Sinn macht, wenn man sich vor Augen führt, dass eine Schwangerschaft einen ausgeklügelten Mix an Hormonen erfordert und diese schließlich von der Schilddrüse gebildet werden.

Ich würde Euch also definitiv raten, nicht zu lange damit zu warten, Eure Schilddrüse überprüfen zu lassen. Ich habe schon von einigen Frauen gehört, die nach Monaten oder Jahren des unerfüllten Kinderwunsches nur mit einer kleinen Optimierung der Schilddrüsenwerte endlich schwanger geworden und geblieben sind.

Ich wünsche Dir eine baldige Schwangerschaft!

Deine

Julia Cathérine