Gerade wenn Du in Deinem Umfeld keine Freundin hast, die auch Probleme hat, schwanger zu werden oder Du Dich nicht „outen“ willst, kann der Austausch mit Gleichgesinnten in Kinderwunschforen oder Facebookgruppen hilfreich sein. Mir hat das Lesen dort z.B. immer wieder die Augen geöffnet, dass ich mit meinem Problem wirklich nicht alleine dastehe. Und manchmal bekommt man dort auch ganz gute Anregungen, was man noch ausprobieren könnte. Auf die symptothermale Methode bin ich z.B. erstmalig durch die vielen Frauen in Kinderwunschforen aufmerksam geworden, die davon so schwärmen.

Du siehst also: Ich will Kinderwunschforen auf keinen Fall verteufeln. Trotzdem solltest Du sie aus meiner Sicht mit Vorsicht genießen:

Gefahr 1: Abwärtsspirale

Die größte Gefahr ist meiner Meinung nach, dass Ihr Euch gegenseitig runterzieht. In Kinderwunschforen tummeln sich logischerweise viele Frauen, bei denen es schon sehr lange mit dem Schwangerwerden nicht klappt. Und die dementsprechend schon viel durchgemacht haben. Die anderen Frauen haben ja entweder gar kein Problem und deswegen auch kein Bedürfnis sich auszutauschen oder sie sind mittlerweile schon im Schwangerschaftsforum unterwegs. 

Gerade in Gruppen wie „Frauen mit Langzeitkinderwunsch“ finden sich also die schweren Fälle. Und auch wenn daraus schöne Online-Freundschaften werden können, kann bei Dir schnell der Eindruck entstehen, dass ein positiver Schwangerschaftstest seltener als ein 6er im Lotto ist. Viel zu viel liest man über Rückschläge und Enttäuschungen der anderen Frauen. Und gerade, wenn Du Dich dort schon länger mit einer festen Gruppe von Frauen austauschst, identifizierst Du Dich evtl. mit ihrem Schicksal.  Das beeinflusst über kurz oder lang Deine Wahrnehmung.  Irgendwann bist Du zwangsläufig überzeugt, dass der Weg zum Wunschkind einfach schwer und bedrückend ist.

Viel wichtiger wäre aber, dass Du nach einem Rückschlag (z.B. einer schlechten Diagnose nach einer Bauchspiegelung), den Du natürlich betrauern darfst, wieder versuchst Deine Kräfte zu sammeln. Und dann etwas später, mit einem grundsätzlich positiven Blick auf die Zukunft, den nächsten Schritt auf Deiner Kinderwunschreise antrittst. 

Gefahr 2: Kein ausgewogenes Bild

Wie schon angedeutet, hatte ich damals den Eindruck, dass im Internet viele der Langzeitkinderwünschenden unterwegs sind. Nerviger fand ich persönlich aber die Einträge von Frauen, die ja schon nach 3 Zyklen total verzweifelt sind und dann doch schwuppdiwupp ganz überraschend positiv testen. 

Was meiner Meinung nach fehlt sind die Stimmen von Frauen „aus der Mitte“. Die also weder 10 Jahre Kinderwunsch und 8 erfolglose IUIs hinter sich haben noch „erst im 2. Übungszyklus schwanger geworden sind“. Beides sind Extremfälle, mit denen Du höchstwahrscheinlich nicht viel gemeinsam hast. Bitte behalte also im Hinterkopf, dass im Internet kein realistisches Abbild der Wirklichkeit von Frauen, die versuchen schwanger zu werden, gezeichnet wird.

Gefahr 3: Keine Vergleichbarkeit

Nachdem ich lang genug von den Erfahrungen anderer Frauen im Internet gelesen hatte, war ich überzeugt, dass wohl super selten Frauen durch IUIs schwanger werden. Nachdem wir uns trotzdem entschieden haben, es damit zu versuchen, hatte ich mir dementsprechend keine allzu großen Hoffnungen gemacht.

Tatsächlich hat es bei uns aber bei der 2. IUI geklappt! Was mir damals klar geworden ist: Du kannst Deine Chancen, schwanger zu werden mit denen anderer Frauen nicht ohne weiteres vergleichen. Bzw. Dir fehlen schlicht und einfach wichtige Hintergrundinformationen. Unsere Erfolgschancen waren z.B. allein deshalb nicht so schlecht, weil wir grundsätzlich miteinander schwanger werden konnten (siehe Fehlgeburten) und meine Eileiter durchlässig waren (Ergebnis von der Bauch- und Gebärmutterspiegelung). 

Bitte berücksichtige deshalb immer, wenn Du in Kinderwunschforen oder Blogs stöberst, dass Du die individuelle, medizinische Vorgeschichte der anderen Frauen nicht kennst!

Fazit

Aus meiner Erfahrung solltest Du genau beobachten, wie es Dir beim und vor allem nach dem Lesen in Foren, Blogs und Gruppen geht. Fühlst Du Dich durch den Austausch mit Gleichgesinnten endlich verstanden und weniger allein? Oder laugt Dich das Lesen eher aus und Du hast den Eindruck, dass es Dich nicht wirklich weiterbringt?

Ich wünsche Dir eine baldige Schwangerschaft!

Deine

Julia Cathérine