Im Sommer dieses Jahres hat meine Schwägerin geheiratet. Und es war nicht nur einfach nur eine Hochzeit geplant, sondern ein ganzes Hochzeitswochenende: 3 Tage – vom Polterabend bis hin zum gemeinsamen Frühstück nach dem eigentlichen Fest. So weit so gut. 

Was ich bis wenige Tage vorher allerdings nicht wusste war, dass meine erste Insemination einen Tag vor diesem Wochenende stattfinden sollte. Klar…Wir hatten es uns so ausgesucht. Theoretisch hätte ich mit der IUI auch noch einen Zyklus warten können, aber das hätte dann mit unserem Sommerurlaub kollidiert. Und wie Du weißt, ist es in der Kinderwunschzeit mit der Geduld ja so eine Sache…

Wir haben uns also nur wenige Stunden nach der Insemination auf den Weg zur Hochzeit gemacht. Und schon im Auto wusste ich, dass ich zwei Probleme hatte: 

1. Ich würde nichts trinken können. 

2. Ich würde mir gute Ausreden einfallen lassen müssen, wieso ich nichts trinke.

Das erste Problem habe ich mir im Vorfeld eigentlich schlimmer ausgemalt als es ist. Okay – der Polterabend war schon sehr ungewohnt ohne einen Schluck Alkohol. Hier bin ich ganz ehrlich: Die Stimmung ist halt einfach nicht die gleiche und ich persönlich werde auch einfach früher müde. Aber irgendwie ging es dann doch – vor allem, weil ich mich sehr gefreut habe, die Verwandtschaft von meinem Mann mal wiederzusehen. Und so war der Abend dann doch ganz abwechslungsreich und ging schnell vorbei.

Mehr Sorgen hat mir vor Anfang an der eigentliche Hochzeitstag gemacht. Hier reiht sich eine Gelegenheit, bei der man quasi gezwungen ist, zu trinken, an die andere. Als ich am Samstagmorgen wach wurde, hatte sich dieses Problem allerdings in Luft aufgelöst: Ich hatte starke Halsschmerzen und erhöhte Temperatur. Mein Fokus lag ab sofort also eher darauf, einigermaßen durch den Tag zu kommen. Und an Alkohol war erstmal nicht zu denken. Trotzdem habe ich natürlich wahrgenommen, dass man schon etwas außen vor ist, wenn man bei einem Sektempfang nicht wirklich mit anstößt und auch zu später Stunde an der Cocktailbar habe ich mich etwas deplatziert gefühlt. Abgesehen davon, dass ich krank war und es allein deshalb schon vernünftiger war, nichts zu trinken, habe ich mich selber noch damit motiviert, dass wir am nächsten Tag noch 700 km Autofahrt vor uns hatten und zumindest einer dann einen klaren Kopf haben sollte.

Das zweite Problem war auch weitaus weniger schlimm als gedacht. Zur Tarnung habe ich mir am Polterabend erstmal ein Glas Wein geben lassen und das dann im Laufe des Abends von meinem Mann immer mal wieder unauffällig abtrinken lassen. Ich denke, es ist auf jeden Fall vorteilhaft, wenn man wenigstens einen Eingeweihten hat, der einen ein bisschen unterstützen kann. Tatsächlich wurde ich an dem gesamten Wochenende kein einziges Mal direkt angesprochen, wieso ich nichts trinke. Insgesamt schwieriger wäre es sicher gewesen, wenn meine Familie oder gute Freunde dagewesen wären. Sie kennen mich einfach zu gut und meiner Schwester wäre es auf jeden Fall aufgefallen, wenn ich halbvolle Gläser einfach stehen lasse oder mit meinem Mann teile.

Fazit

Die praktische Umsetzung des „Kein-Alkohol-Plans“ war insgesamt einfacher als gedacht. Mehr zu kämpfen hatte ich aber mit den Zweifeln, ob es richtig ist, mich schon vor einer potentiellen Schwangerschaft so einzuschränken. Aus Erfahrung weiß ich, dass das am Ende nämlich noch die Enttäuschung vergrößert, wenn es wieder mal nicht geklappt hat. Weil wir uns aber im ersten Inseminationszyklus befanden, war für uns die Wahl klar und ich denke, das war richtig so.