Wenn die Kinderwunschzeit generell schon sehr belastend ist, habe ich eine Phase davon als besonders schlimm in Erinnerung: Die 14tägige Wartezeit nach dem Eisprung! Wobei ich zugeben muss, dass diese bei mir meistens nur 12 Tage dauerte 😉 Einen Vorteil muss eine eher kurze zweite Zyklushälfte ja auch mal haben.

Ob nun 12 oder 14 Tage…Was ich an dieser Phase so schlimm fand? Die erste Zyklushälfte ist ja von einem gewissen Aktionismus geprägt: Erst fiebert man mit Ovulationstests oder ähnlichen Hilfsmitteln auf den Eisprung hin. Und steht er dann tatsächlich kurz bevor, geht es darum, die fruchtbaren Tage mit dem Partner möglichst gut zu nutzen. Man ist also aktiv und hat dadurch zumindest das Gefühl, eine gewisse Kontrolle zu haben.

Ist der Eisprung aber erstmal verstrichen, kann man erstmal nichts weiter tun und muss nur eins…warten. Die meisten Frauen halten das aber nicht aus. Aus den Gesprächen mit Freundinnen und Internetrecherchen in diversen Kinderwunschforen ist mir dabei aufgefallen, dass es 3 Arten gibt, wie man mit der Wartezeit umgehen kann. Vielleicht erkennst Du Dich ja wieder?

Typ 1: Die Früh-Testerinnen

Diese Frauen hören auf jedes kleinste körperliche Anzeichen, dass auf eine mögliche Schwangerschaft hindeuten könnte. Um auf Nummer sicher zu gehen, fragen sie lieber nochmal in Kinderwunschforen nach, ob „das Ziehen, dass sie seit dem Eisprung im Unterleib haben für eine Frühschwangerschaft sprechen kann“.

Aber auch diese Gruppe von Frauen weiß, dass es eigentlich nur ein sicheres Zeichen für eine Schwangerschaft gibt: ein positiver Schwangerschaftstest. Und auch, wenn bekannt ist, dass dieser erst wenige Tage vor Ausbleiben der Periode zuverlässig ist, wollen die Früh-Testerinnen aktiv werden und beginne schon ab Eisprung + 8 mit dem Testen. Auch die Ergebnisse hiervon teilen viele Früh-Testerinnen gerne in Kinderwunschforen und beteiligen sich dann im Gegenzug rege an der Interpretation der Schwangerschaftstests anderer Früh-Testerinnen.

Ein weiterer Zeitvertreib von Früh-Testerinnen ist das Orakeln: Dabei geht es darum mit Ovulationstests eine Schwangerschaft vorherzusagen, da sich HCG (das Schwangerschaftshormon) und LH (was den Eisprung auslöst und deswegen von Ovulationstests gemessen wird) sehr ähneln. Wenn die Testlinie täglich stärker wird, soll es auf eine Schwangerschaft hindeuten. Wenn die Testlinie aber sehr schwach bis gar nicht zu sehen ist, dann ist das ein negatives Orakel.

Typ 2: Die Ablenkerinnen

Die Ablenkerinnen machen das Gegenteil. Sie versuchen, sich in der zweiten Zyklushälfte so wenig wie möglich mit ihrem Kinderwunsch zu beschäftigen. Damit das gelingt, stürzen sie sich in die Arbeit oder lenken sich anderweitig ab. Sehr beliebt sind z.B. auch Sport, kleine Projekte (wie die Wohnung renovieren) oder auch Kurzurlaube.

Auch typisch für Ablenkerinnen ist, dass sie absichtlich nicht zu viel Rücksicht auf eine mögliche Schwangerschaft nehmen. Das kann beispielsweise so aussehen, dass sie sich auf einem Geburtstag nicht schon wieder einschränken wollen und deswegen auch mal ein Glas zu viel trinken. Wieso sie das machen? Damit die Enttäuschung am Zyklusende nicht zu groß ist.

Typ 3: Die Mischform-Frauen

Mischform-Frauen wissen, dass es unmöglich ist, sich in der zweiten Zyklushälfte gar nicht mit dem Kinderwunsch zu beschäftigen. Gleichzeitig wissen sie aber auch (aus vorhergehenden Zyklen), dass das ewige Testen nichts bringt und am Ende sogar auslaugt. Deswegen beschäftigen sich Mischform-Frauen mit ihrem Kinderwunsch auf eine möglichst „produktive Art und Weise“, die auch Kraft für einen evtl. Folgezyklus gibt. Denkbare Aktivitäten in der zweiten Zyklushälfte von Mischform-Frauen können z.B. Kinderwunsch-Meditationen oder auch Fruchtbarkeitsyoga sein.

Abschließend möchte ich klarstellen, dass ich keine Form des Wartens verurteile. In 2,5 Jahren Kinderwunsch habe ich mich schließlich selbst in allen Typen wiedergefunden. Vielleicht probierst Du aus, was Dir guttut? Und mal lenkst Du Dich gerne ab und im nächsten Zyklus wirst Du zur Früh-Testerinnen. Und das ist dann auch okay so.

Ich wünsche Dir eine baldige Schwangerschaft!

Deine

Julia Cathérine