Angst # 1: Dass jede Schwangerschaft in einr Fehlgeburt endet

Spätestens nach meiner zweiten Fehlgeburt hatte ich die Befürchtung, dass bei mir etwas gravierend nicht stimmt und ich vielleicht nicht in der Lage bin, ein Baby auszutragen. Ja, ich weiß…Viele Frauen, die heute glückliche Mutter sind, hatten auch Fehlgeburten. Aber irgendwie war es auch nachvollziehbar: Ich war zweimal schwanger – und zweimal endete die Schwangerschaft in einer Fehlgeburt. Das waren somit 100 % meiner Erfahrungen mit Schwangerschaften.

Was mich zusätzlich gestresst hat, war der Gedanke, dass mich ein Kinderwunschzentrum zwar dabei unterstützen kann, schwanger zu werden. Die Schwangerschaft aufrechterhalten muss dann mein Körper aber letztendlich alleine. Da kann dir keiner helfen!

Angst # 2: Dass meine eigenen Ängste, Unsicherheiten und der ganze Kinderwunschstress eine Schwangerschaft verhindern

Oft genug bekommt man als Frau mit Kinderwunsch ja zu hören, dass man sich einfach mal entspannen soll und die Schwangerschaft dann wie von alleine kommt. Grundsätzlich halte ich das für Quatsch. Und es gibt auch Studien dazu, die belegen, dass das nicht so ist (es sei denn das Ganze grenzt an eine Depression).

Trotzdem bleibt so eine gewisse Restunsicherheit und ich habe mich immer wieder gefragt, ob mir nicht doch meine Psyche einen Strich durch die Rechnung macht. Damit hat man dann eine doppelt-doofe Situation: man macht sich verrückt, dass man nicht schwanger wird und hat dann im nächsten Schritt auch noch ein schlechtes Gewissen.

Angst # 3: Dass ich alle Behandlungen im Kinderwunschzentrum ausschöpfe und immer noch nicht schwanger bin

Das wäre für mich wirklich der absolute Super-GAU gewesen. Ich habe es bei einer Freundin gesehen: Dass sie keine Optionen mehr hatte, hat ihr schon sehr schwer zu schaffen gemacht. Und ich weiß nicht, wie ich mit dieser Situation umgegangen wäre. Um dem vorzubeugen habe ich mit meinem Mann besprochen, dass wir – nach erfolglosen IVFs – ins Adoptionsverfahren gehen. Dann hätten wir wenigstens noch einen Plan B gehabt. Das führt mich wiederrum zu meiner nächsten Angst:

Angst # 4: Dass wir auch für eine Adoption schon zu alt sind

Okay, an meinem Alter hätte es nicht wirklich liegen können. Aber mein Mann ist schließlich schon 38 Jahre alt und es kursiert ja immer wieder das Gerücht, dass 40 Jahre so eine unsichtbare Grenze sind – auch wenn es gesetzlich keine Altershöchstgrenze für Adoptiveltern gibt.

Zum Selbstschutz hatte ich deswegen auch schon einen Plan C: Auslandsadoption oder Pflegschaft.

Angst # 5: Dass wieder jemand anderes schwanger wird

Ich weiß: Neid ist (neben Kinderwunsch und Fehlgeburt) ein weiteres Tabuthema. Umso wichtiger es endlich mal auszusprechen: Ich hatte zunehmend Angst, dass mir wieder eine weitere Freundin oder Verwandte offenbart, dass sie schwanger ist. Auch wenn mir natürlich vom Kopf her klar war, dass sie vielleicht schon genauso sehnsüchtig auf ein Baby wartet und es damit absolut verdient hat. Es hat mich trotzdem immer wieder das Gefühl beschlichen, dass wir doch jetzt mal an der Reihe sind. Besonders geärgert hat mich, wenn Freundinnen schwanger wurden, die mir noch ein paar Jahre zuvor erzählt hatten, dass sie sich ja noch gar kein Kind vorstellen können. Dazu muss man wissen, dass ich mir seit ich mit 11 Jahren Babysitten gegangen bin, schon immer ein Kind wünsche und seit ich meinen Mann kenne darauf gewartet habe, dass es endlich „losgeht“.

Angst # 6: Dass ich letzendlich mit der Situation alleine bin

Mein Mann, meine Familie und eine gute Freundin, die auch verzweifelt versucht hat schwanger zu werden, waren in den 2,5 Jahren eine große Unterstützung für mich und wir haben viele, viele Gespräche über das Thema geführt. 

Meinen Mann hat das Ganze natürlich auch mitgenommen, aber trotzdem habe ich gemerkt, dass das Thema (vor allem neben seiner Arbeit) nur einen gewissen Anteil an seinem Leben hat. Was natürlich auch gesund ist. So blieb er wenigstens immer optimistisch. Meine Mutter und meine Schwester waren zwar sehr empathisch, konnten sich aber auch nicht wirklich in mich hineinversetzen. Schließlich waren sie immer sofort schwanger geworden. Und meine gute Freundin mit Kinderwunsch, von der ich mich am besten verstanden fühlte, wurde irgendwann doch schwanger und Mutter. 

Ich hatte deshalb zum ersten Mal in meinem Leben das beängstigende Gefühl, am Ende des Tages mit der Situation ganz alleine dazustehen. Das tägliche Gedankenkarussell erlebt man schließlich nur selbst und auch ich wäre auch diejenige gewesen, die ein Leben ohne Kinder führen muss.

Angst # 7: Dass ich niemals ein eigenes Kind haben werden

Ich denke, das ist die Angst die letztendlich hinter allen anderen Ängsten steht. Die Vorstellung, niemals Mutter zu sein, war für mich so beängstigend, dass sie sich auch heute noch wie eine tosende, kalte, über mir zusammenbrechende Welle anfühlt. Ich kann das auch jetzt, wo alles gut ist, noch richtig körperlich spüren. Vielleicht ein Zeichen, dass ich mich damit heute nochmal auseinandersetzen sollte…

Was ich gegen meine Ängste unternommen habe:

1.Konfrontation

Ich habe alle Ängste aufgeschrieben und versucht in die jeweilige Angst „hineinzugehen“, also mich einzufühlen, statt sie zu verdrängen. Dadurch sind die Ängste schon etwas kleiner geworden und haben an Macht verloren. 

Da ich aber ein Kopfmensch bin, habe ich in einem nächsten Schritt auch noch neben alle Ängste Argumente geschrieben, wieso diese keine tatsächliche Berechtigung haben. 

Beispiel: Ich habe Angst, dass alle Schwangerschaften in einer Fehlgeburt enden àAuch nach 2 Fehlgeburten ist die nächste Schwangerschaft statistisch gesehen zu 65 % intakt 

2. Konzentration auf alle positiven Punkte

Außerdem habe ich mir noch eine Liste gemacht, was beim Thema Kinderwunsch bei mir eigentlich alles gut läuft.

Beispiel: 

  • Ich habe regelmäßige Eisprünge
  • Mein Mann und ich können grundsätzlich zusammen schwanger werden
  • Ich habe noch einige Jahre Zeit, schwanger zu werden

3. Affirmation & Visualisierung

Um mich noch positiver zu stimmen, habe ich eine Zeitlang jeden Morgen vor der Arbeit mit Affirmationen gearbeitet. Eine Affirmation ist ein selbstbejahender Satz, den ich mir selbst immer wieder vorgesagt habe (entweder laut oder im Kopf), um meine Gedanken umzuprogrammieren.

Beispiel: Ich werde eine liebevolle und glückliche Mutter sein

Anschließend habe ich immer noch für ca. 1 Minute eine Situation mit meinem künftigen Baby visualisiert, d. h.  mir im Geiste z. B. bildlich vorgestellt, wie ich auf dem Sofa sitze und mein Baby auf dem Arm halte. Entscheidend ist hierbei, das Gefühl, das man während der Visualisierung empfindet.

4.Vision Board

Kurz bevor ich zum dritten Mal schwanger wurde, habe ich angefangen, mir ein Vision Board zum Thema Kinderwunsch zu gestalten. Manche von Euch kennen diese Form der Visualisierung vielleicht aus „The Secret“.  Das Vision Board ist eine Collage aus Bildern, Stichworten und Affirmationen rund um die eigenen Ziele und Wünsche. In unserem Fall also um den Wunsch, schwanger zu sein. Wie ich dabei genau vorgegangen bin und wie mein Vision Board aussah, erfahrt Ihr hier.

Ich wünsche Dir eine baldige Schwangerschaft!

Deine

Julia Cathérine