Als uns unser Arzt im Kinderwunschzentrum empfohlen hat, dass wir doch erstmal mit 2-3 IUIs starten könnten bevor wir zu drastischeren Maßnahmen (d. h. „echten“ künstlichen Befruchtungen) greifen, war ich erstmal skeptisch. Ich hatte im Hinterkopf, dass durch Inseminationen nicht viel mehr Frauen schwanger werden als in einem regulären Zyklus. Und auch meine Recherche in Kinderwunschforen hatte ergeben, dass es so selten vorkommt, dass Paare damit tatsächlich Erfolg haben.

1. Versuch

Dementsprechend bin ich in den ersten IUI-Zyklus mit der Überzeugung gegangen, dass das wohl eher nix wird und wir jetzt einfach diese 3 Versuche hinter uns bringen müssen. Ich konnte dem Ganzen immerhin abgewinnen, dass ich so schon mal das Spritzen üben und den ganzen Ablauf im Kinderwunschzentrum kennenlernen konnte.

Dieser erste Versuch hatte dann letztendlich auch nicht die allerbesten Voraussetzungen: meine Gebärmutterschleimhaut war kurz vor dem Eisprung nur 6-7 mm hoch aufgebaut. Ideal sind wohl mindestens 8mm. Neben meiner allgemeinen Skepsis war ich auch deswegen nach der Insemination selbst und der anschließenden 14tägigen Wartezeit nicht besonders optimistisch.

Trotzdem habe ich 1 oder 2 Tage vor dem Bluttest im Kinderwunschzentrum zu Hause einen Schwangerschaftstest gemacht. Und trotzdem hatte ich natürlich eine gewisse Rest-Hoffnung. Dieses Fünkchen Hoffnung geht ja in der Kinderwunschzeit nie ganz verloren.

Leider hat sich diesmal aber mein schlechtes Bauchgefühl bestätigt: Der Test war…negativ.

2. Versuch

Direkt nach dem erfolglosen 1. Versuch hatte ich natürlich noch weniger Vertrauen in IUIs als sowieso schon. Wir sind im nächsten Zyklus erstmal in den geplanten Sommerurlaub zum Wandern nach Österreich gefahren. Dort konnte ich insgesamt ganz gut entspannen, aber zwischendurch kam immer mal wieder die Angst hoch, wie es weitergeht, wenn mir auch das Kinderwunschzentrum nicht helfen kann. Um einen Plan B zu haben, habe ich mich in diesem Urlaub dann auch zum ersten Mal intensiv mit dem Thema Adoption beschäftigt und in den Bergen zwei Bücher darüber gelesen.

Als wir aus dem Urlaub zurückkamen, ging es ziemlich zügig mit dem 2. IUI-Versuch weiter. Ich hatte erstmal ein Gespräch (inkl. Ultraschalluntersuchung) mit meinem Lieblingsarzt im Kinderwunschzentrum. Er konnte mich etwas beruhigen, indem er mir gesagt hat, dass es ganz normal ist, dass es beim 1. Versuch nicht klappt. Und: dass wir nach 2 oder 3 Versuchen insgesamt ganz gute Chancen haben sollten.

Ich bin also diesmal mit einem besseren Gefühl in die erste Zyklushälfte gestartet. In dieser Zeit habe ich auch begonnen ein paar Minuten pro Tag (in der Regel morgens vor der Arbeit) zu visualisieren, wie meine Follikel jeden Tag wachsen und dabei von den Hormonspritzen unterstützt werden. Kurz vor der zweiten Ultraschallkontrolle habe ich mir außerdem vorgestellt, wie mein Arzt mir sagt, dass es 1-2 sehr schöne Follikel gibt. Und tatsächlich war es dann auch so: schon am Zyklustag 11 (was für meine langen Zyklen wirklich sehr früh ist), gab es einen tollen Leitfollikel und mein Arzt hat mich und meinen Körper für die gute Arbeit sehr „gelobt“.

2 Tage später sollte schon die Insemination stattfinden und in der Phase bis dahin habe ich versucht einen möglichst positiven Bezug zu meinem Arzt aufzubauen. Dazu habe ich mir mehrmals aufgeschrieben, wie dankbar ich bin, dass ich so einen kompetenten und sympathischen Arzt habe, dem ich vertraue.

Am Tag der Insemination war ich zwar aufgeregt, aber insgesamt optimistisch und habe mich auf meinen Arzt gefreut. Umso größer war der Schock, dass nicht mein Arzt, sondern seine Kollegin die Insemination durchführen sollte. Ich habe versucht, mich dadurch nicht zu sehr aus dem Konzept bringen zu lassen. Mein Vertrauen in die Ärztin wurde auch gleich dadurch gestärkt, dass sie bei IUIs einen „Spezialtrick“ hat: sie hatte wohl mal bei einer Patientin in der Vergangenheit herausgefunden, dass es leichter war die Insemination durchzuführen, wenn die Blase gefüllt ist. Und seitdem macht sie das bei jeder IUI so.

Noch zuversichtlicher wurde ich nachdem ich erfahren habe, dass meine Gebärmutterschleimhaut diesmal 11mm aufgebaut ist – also gerade im Vergleich zum 1. Versuch ein super Ergebnis. Ich bin dann mit einem guten Gefühl aus dem Kinderwunschzentrum gegangen und habe versucht, dass in den nächsten 14 Tagen auch aufrechtzuerhalten. Dazu habe ich mir fast täglich geführte Kinderwunschmeditationen angehört und mir immer wieder die guten Voraussetzungen in diesem Zyklus vor Augen geführt.

Diesmal habe ich keinen Schwangerschaftstest zu Hause gemacht und einfach alles auf mich zukommen lassen. Bis dahin hatte ich keine richtige Tendenz, ob es geklappt haben könnte oder nicht. Wie immer konnte ich die Anrufe des Kinderwunschzentrums auf der Arbeit nicht entgegennehmen. Als ich nach der Arbeit auf mein Handy geschaut habe und gesehen habe, dass das Kinderwunschzentrum insgesamt 3 Mal versucht hatte, mich zu erreichen, hatte ich aber eine komische Vorahnung. Das war nämlich nicht typisch und beim letzten Mal hatten sie einfach kurz auf meine Mailbox gesprochen, dass es leider nicht geklappt hat.

Ich bin dann total aufgeregt mit dem Auto nach Hause gefahren und habe mir sofort, noch halb angezogen, auf der Kante vom Sofa sitzend, die Nachricht auf meiner Mailbox angehört. Schon bei den ersten Worten der Sprechstundenhilfe wusste ich Bescheid: hier war etwas anders als beim letzten Mal. Und nach wenigen Sekunden bestätigte sich: ich war schwanger!!! Ich werde diesen Moment niemals vergessen: ich hatte sofort Tränen in den Augen und war total erleichtert, dass es endlich soweit war. Es hat sich so schön und gleichzeitig so unwirklich angefühlt. Und endlich, endlich würde auch der Moment kommen, auf den ich schon so lange gewartet hatte:  Ich konnte meinen Mann mit dieser tollen Nachricht überraschen. Wenn Du erfahren möchtest, wie ich das gemacht habe, kannst Du hier mehr erfahren.

Fazit

Trotz meines anfänglichen Pessimismus war schon der 2. IUI-Versuch erfolgreich! Wie ich mir das erkläre? Versteh mich bitte nicht falsch: Ich denke auf keinen Fall, dass meine positiven Gedanken und Meditationen allein dafür verantwortlich waren, dass der 2. geklappt hat. Schließlich waren ja auch meine körperlichen Voraussetzungen (z.B. Gebärmutterschleimhaut) im 2. Zyklus einfach besser und natürlich ist es auch statistisch betrachtet wahrscheinlicher, dass es innerhalb von zwei Zyklen und nicht gleich beim ersten Mal klappt. Trotzdem habe ich mich insgesamt viel ausgeglichener gefühlt. Und ganz egal, wie es ausgegangen wäre, fühle ich mich lieber schon während des gesamten Zyklus gut.  Aber sogar eine schlechte Nachricht hätte ich diesmal viel besser weggesteckt. Ich war einfach gefestigter und habe gespürt, dass mein Wohlbefinden nicht ausschließlich von dem Ergebnis vom Schwangerschaftstest am Zyklusende abhängig ist.

Im Nachhinein habe ich außerdem erfahren, dass unsere individuellen Voraussetzungen für eine IUI viel besser waren als angenommen, weil z.B. bekannt war, dass meine Eileiter durchlässig sind. Vielleicht ist es ja bei Dir genauso? Ob eine IUI insgesamt für Dich und Deinen Partner passen könnte, kannst Du hier testen.

Ich wünsche Dir eine baldige Schwangerschaft!

Deine

Julia Cathérine