Bis zu unserem ersten Gespräch im Kinderwunschzentrum wäre ich niemals auf die Idee gekommen, dass ich Endometriose haben könnte. Klar – bei meinen Recherchen zum Thema Kinderwunsch war ich schon mal darauf gestoßen und wusste grob, um was es bei dieser Krankheit geht: das Wachstum von Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter. Aber, dass ich selbst davon betreffen sein könnte? Die Frage stellte sich mir einfach nicht.

Häufigkeit

Umso überraschter war ich als unser Arzt diesen Verdacht relativ schnell in den Raum stellte. Vielleicht geht es Dir ähnlich wie mir. Dass Du ebenfalls Endometriose haben könntest, ist nämlich gar nicht so unwahrscheinlich. Insgesamt sind 15 % der Frauen davon betroffen. Und, wenn Du schon länger versuchst, schwanger zu werden und es einfach nicht klappt, spricht einiges dafür, dass Endometriose dahinterstecken könnte: Ärzte in Kinderwunschzentren geben nämlich an, dass ca. 50 % der Frauen, die sich bei ihnen vorstellen, Endometriose haben.

Endometriose und Kinderwunsch

Solltest Du tatsächlich unter Endometriose leiden, ist auf jeden Fall gut davon zu wissen: denn, wenn Du schwanger werden möchtest, ist – obwohl Endometriose meist gutartig ist – Gefahr in Verzug: Endometriose kann nämlich mit der Zeit zu Verwachsungen und Verklebungen an den Eileitern und Eierstöcken führen. Und wenn Deine Eileiter nicht durchlässig sind, können Deine Eizellen nicht zur Gebärmutter wandern. Eine Schwangerschaft ist dann nicht nur unmöglich, sondern es kann schlimmstenfalls sogar zu einer Eileiterschwangerschaft kommen und die kann lebensgefährlich sein.

Ich weiß, dass das alles sehr schlimm klingt, wenn man unbedingt schwanger werden möchte. Auch ich war damals erstmal geschockt. Aber, glaub mir: erkannte Gefahr ist halbe Gefahr. Denn, wenn Du erstmal weißt, wieso es mit der Schwangerschaft nicht klappt, kannst Du richtig darauf reagieren.

Es macht nämlich z.B. keinen Sinn im Kinderwunschzentrum eine Insemination durchführen zu lassen, wenn Deine Eileiter zu sind. Dann wäre vielleicht eine IVF die richtige Kinderwunschbehandlung für Euch. Oder Du gehst erstmal 3 Schritte zurück und stellst Deine Ernährung um. Das kann bei Endometriose nämlich auch wahre Wunder bewirken.

Endometriose Checkliste

Damit Du einschätzen kannst, ob Du auch zu den 50 % der Frauen mit Kinderwunsch gehörst, die betroffen sind, habe ich Dir ein paar Fragen zusammengestellt:

1.Hast Du starke Periodenschmerzen und/ oder starke Blutungen?

Diese Frage fand ich damals persönlich schwer zu beantworten. Was sind schon schwere Schmerzen? Wenn man nämlich gewöhnt ist, Periodenschmerzen zu haben, denkt man irgendwann, dass das normal ist und jedem so geht.

Stutzig machen sollte Dich auf jeden Fall, wenn Du unter Einnahme der Pille wenig oder gar keine Schmerzen hattest. Und die Schmerzen nach Absetzen der Pille deutlich stärker sind oder sogar mit der Zeit zunehmen. Die Pille schaltet nämlich Deinen Zyklus aus und die Endometriose wird dadurch lahmgelegt. Setzt Du die Pille ab und Dein Zyklus kommt wieder in Gang, kommt auch die Endometriose zurück und verursacht Schmerzen.

Ein Indikator für starke Schmerzen ist übrigens auch, dass Du während der Periode Schmerzmittel nehmen musst oder nicht arbeiten gehen kannst.

Von einer „starken Blutung“ kannst Du ausgehen, wenn Du mehr als 5 Tampons/ Binden (normale Größe) brauchst, oder diese häufiger als alle 2 Stunden wechseln musst.

2. Hast Du sonstige Unterleibsschmerzen?

Falls Du auch außerhalb der Periode regelmäßig Schmerzen im Unterleib hast, die auch in den Rücken oder die Beine ausstrahlen können, wäre das ein weiteres Anzeichen. Diese Schmerzen können nämlich durch Verwachsungen von Organen (z.B. Darm und Gebärmutter) entstehen.

3.Hast Du Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang?

Wenn Dir solche Schmerzen bekannt vorkommen, kann es gut sein, dass Du Endometriose am Darm oder der Blase hast.

4.Hast Du Schmerzen beim Sex?

Auch dieses Anzeichen ist für manche Frauen schwer zu erkennen. Wenn zum Sex nämlich schon immer gewisse Schmerzen dazugehören, kann man zu der Überzeugung gelangen, dass das normal ist. Tatsächlich können aber Endometriose-Herde auf den elastischen Haltebändern dafür verantwortlich sein, welche die Gebärmutter im kleinen Becken verankern. Beim Sex kommt es dann zu Bewegungen der Beckenorgane, was wiederum Schmerzen auslöst.

Fazit

Du siehst: Es ist sehr wichtig, dass Du ganz genau in Dich hineinhorchst und Schmerzen nicht als normal abtust, nur weil Du es nicht anders kennst. Solltest Du tatsächlich den Verdacht haben, dass Du so wie ich und viele andere Frauen Endometriose hast, klär das bitte unbedingt mit einem Arzt ab. Denn bei Endometriose kann es wichtig sein, schnell zu handeln.

Trotzdem solltest Du ruhig bleiben: Ich kann Dir versichern, dass Du auch mit Endometriose einige Handlungsoptionen hast.

Ich wünsche Dir eine baldige Schwangerschaft!

Deine

Julia Cathérine