Je mehr ich mit Frauen mit Kinderwunsch, aber auch mit Frauen, die jetzt gerade schwanger sind, spreche, desto mehr fällt mir auf, wie wahnsinnig verbreitet Fehlgeburten leider sind. Die nackten, traurigen Zahlen (15 % aller Schwangerschaften enden mit einer Fehlgeburt) sind ja bekannt. Aber diese Statistik deckt sich auch wirklich mit dem, was ich so gefühlt im Umfeld wahrnehme.

Ich musste das Ganze ja auch zweimal erleben und möchte deshalb heute meine Erfahrungen mit Euch teilen.

Meine erste Fehlgeburt

Knapp ein Jahr nachdem ich die Pille abgesetzt habe, war ich für einen Kontrolltermin bei meinem Frauenarzt und habe das Thema Kinderwunsch mal vorsichtig angesprochen. Er war zwar ziemlich gelassen, hat aber vorgeschlagen meinen Zyklus zu beobachten. In der Praxis sah das dann so aus, dass ich kurz vor dem potentiellen Eisprung zum Ultraschall bei ihm war und er sich die Follikel angesehen hat. Alles war so wie es sein soll! Ein paar Tage später wurde mir dann noch Blut abgenommen, um diverse Hormone (TSH, Progesteron und Prolaktin) zu bestimmen – auch hier gab es keine Auffälligkeiten.

Mein Mann und ich waren erstmal erleichtert und haben uns voller Vorfreude wenige Tage später auf den Weg in die Toskana gemacht, wo wir mit meiner ganzen Familie für zwei Wochen ein Ferienhaus gemietet haben. Auf der Fahrt zu unserem Zwischenstopp in Österreich war mir schon etwas flau imMagen und ich fühlte mich insgesamt krank. Da meine Periode zwei Tage überfällig war (bei einem insgesamt aber eher unregelmäßigen Zyklus) habe ich mir noch zu Hause einen Schwangerschaftstest gekauft. Auch meine Basaltemperatur (die ich damals bestimmt habe) war immer noch erhöht – trotz alldem war ich aber total unsicher, ob das nicht eher mit meinen Krankheitssymptomen zusammenhängt.

Am Abend im Hotel in Österreich war ich schon etwas aufgeregt und habe vorsorglich auch keinen Alkohol getrunken. Am nächsten Morgen habe ich den Test gemacht und mit meinem Mann gemeinsam auf das Ergebnis gewartet. Das kam dann auch schon nach wenigen Sekunden und: Ich war tatsächlich zum ersten Mal schwanger!!! Das war definitiv der schönste Moment in meinem Leben und ich habe vor Glück sogar ein bisschen geweint. So unbeschwert habe ich mich in meiner gesamten Kinderwunschzeit nie wieder gefühlt. Auch mein Mann hat sich sehr gefreut, hat aber etwas länger gebraucht,um das erstmal zu verarbeiten.

Wir sind dann total glücklich die restliche Strecke in die Toskana gefahren und ich habe mir noch gedacht, dass das alles fast zu schön ist, um wahr zu sein (schwanger und auch noch Urlaub mit der ganzen Familie).

Angekommen im Ferienhaus haben wir meiner Familie dann auch beim ersten gemeinsamen Abendessen gesagt, dass ich schwanger bin und alle haben sich wahnsinnig mit uns gefreut.

Eine knappe Woche nach dem Test war mein 31. Geburtstag. Ausgerechnet an diesem Tag habe ich auf der Toilette festgestellt, dass ich ganz leichte Schmierblutungen habe. Ich war schon etwas beunruhigt. Eine kurze Internetrecherche hat aber ergeben, dass das wohl in der Frühschwangerschaft immer mal vorkommt. Auch meine Schwester (sie hat schon zwei Kinder) hat mir gesagt, dass das nicht so dramatisch sei, solange die Blutung nicht frisch ist und nicht stärker wird. Damals war ich, wie schon geschrieben, noch ziemlich unbeschwert, oder vielleicht auch naiv 😉 Ich habe mich deswegen auch nicht geschont, sondern einfach weiter meinen Geburtstag gefeiert.

Am nächsten Tag wurden die Schmierblutungen dann leider wirklich stärker und ich hatte auch leichte Bauchschmerzen. Ich habe mich ins Bett gelegt und versucht zu schlafen. Irgendwann wurde ich von relativ starken Unterleibsschmerzen aus dem Schlaf gerissen und bin auf die Toilette gegangen. Dort hatte ich eine periodenstarke, frische Blutung. Ich habe sofort meinem Mann Bescheid gesagt und er hat vorgeschlagen direkt in ein Krankenhaus zu fahren.

Nach knapp einer Stunde Fahrt sind wir in der Uniklinik von Siena angekommen und haben dann auch relativ schnell die Notaufnahme gefunden. Dort war zum Glück eine englischsprachige Ärztin, der wir das Problem schildern konnten. Für den Notfall hatte ich die wichtigsten Vokabeln aber auch schon auf Italienisch vorbereitet. Wie das in Notaufnahmen halt so ist, mussten wir etwas warten. In der Zwischenzeit war ich nochmal auf Toilette und die Blutungen waren nach wie vor vergleichbar mit Periodenblutungen. Ich war zu dem Zeitpunkt schon recht sicher, dass das wohl eine Fehlgeburt ist und hatte nicht mehr allzu viel Hoffnung.

Nach ca. 1,5 Stunden konnten wir mit einem Arzt sprechen, der uns erklärt hat, dass es jetzt sinnvoll wäre, einen Ultraschall zu machen. Wir wurden von einer sehr netten Krankenschwester in die Gynäkologie begleitet, wo wir dann auch recht schnell drankamen. Während dem Ultraschall waren drei Ärzte anwesend, was schon etwas unangenehm war. Weil sie aber auch noch nicht sehr gut Englisch gesprochen haben, haben sie uns während des Ultraschalls nichts erklärt und uns mehr oder weniger ignoriert. Als ich dann immer wieder „Niente“ (also nichts auf Deutsch) gehört habe und auch selber auf dem Ultraschall „nichts“ gesehen habe, war die Diagnose auch so klar: Ich hatte tatsächlich eine frühe Fehlgeburt gehabt, was man uns ein paar Minuten später dann auch so erklärt hat. Die Ärzte haben dann noch vorgeschlagen, dass wir den HCG Wert zweimal (in einem Abstand von 48h) kontrollieren lassen könnten und ich habe mir deswegen dann dort noch einmal Blut abnehmen lassen.

In den ersten Stunden waren wir erstmal geschockt: Kurz vorher war ich noch eine glückliche Schwangere gewesen und hatte mich auf unser erstes Baby im Januar 2018 gefreut. Und jetzt war alles von einer auf die andere Sekunde geplatzt. Für mich war einer der schlimmsten Momente der nächste Morgen: der Augenblick nach dem Schlafen, als mir klar wurde: Ich bin nicht mehr schwanger!

Wir haben noch so gut es ging versucht, einen einigermaßen schönen Urlaub zu haben. Meine Familie war natürlich eine tolle Unterstützung und Ablenkung für uns. Trotzdem war der Kontrast zwischen der ersten und zweiten Urlaubswoche extrem. Zur HCG Kontrolle bin ich dann nicht mehr in die Uniklinik gefahren, sondern habe stattdessen zwei Tage später einen Schwangerschaftstest gemacht. Dieser war negativ und somit hatte ich schon mal die Gewissheit, dass wohl nichts zurückgeblieben war.

Wieder in Deutschland habe ich gleich bei meinem Frauenarzt angerufen und er hat mir einen Termin dazwischengeschoben. Er war sehr empathisch und hat mir Mut gemacht. Die Ultraschallkontrolle war auch unauffällig und sowar die Fehlgeburt zumindest „medizinisch abgeschlossen“.

Erst in den nächsten Wochen habe ich so richtig realisiert,dass ich eine Fehlgeburt hatte. Das hat mich extrem verunsichert, zumal ich vor allem Bedenken hatte, was das für künftige Schwangerschaften bedeutet. Gleichzeitig hatte ich die Hoffnung, dass ich jetzt recht schnell wieder schwanger werde. Die nächste Schwangerschaft hat aber auf sich warten lassen und kam zu einemZeitpunkt, zu dem wir nie damit gerechnet hätten. Wie wir es erfahren haben,war sogar filmreif! Wie es weiterging, könnt Ihr hier nachlesen.