Auch wenn es am Ende des Tages für mich nie eine echte Option war, unseren Kinderwunsch aufzugeben, hatte ich doch viele schwache Momente. Ich habe mich z.B. immer und immer wieder gefragt, 

– ob ich das richtige tue

– wann der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt ist

– ob ich das Schwangerwerden zu sehr erzwinge und mir damit selbst im Weg stehe

– ob es auch Alternativen (wie Adoption) für uns gibt 

– und, und, und…

Vielleicht kommt Dir der ein oder andere Gedanke auch bekannt vor?

Aus heutiger Sicht, also mitten in meiner Schwangerschaft, kann ich Dir aber sagen: eine Schwangerschaft ist wirklich so toll, wie man es sich in der Kinderwunschzeit vorstellt. Und es lohnt sich dafür viele, viele Monate oder sogar Jahre zu kämpfen und auch einiges auszuhalten (wie z.B. Fehlgeburten und Hormonbehandlungen). 

Auch wenn eine Schwangerschaft einfach insgesamt so schön ist, gibt es bisher 5 Momente, die für mich herausstechen. Hier sind sie:

1. Der Moment als ich vom positiven Schwangerschaftstest erfahren habe

Nachdem ich schon so viele negative Schwangerschaftstests gemacht habe, wäre es eigentlich auch schön gewesen, von unserer Schwangerschaft durch einen Test zu Hause zu erfahren. Quasi als ausgleichende Gerechtigkeit…Wir haben in diesem Zyklus aber eine IUI gemacht und ich habe mich entschieden, die Ergebnisse vom Bluttest auf mich zukommen zu lassen. 

Umso spannender und nervenaufreibender war es aber auf den Anruf aus dem Kinderwunschzentrum zu warten. Weil ich (wie immer auf der Arbeit) den Anruf nicht persönlich entgegennehmen konnte, musste ich sogar noch bis abends warten. Ich habe nämlich erst ganz in Ruhe zu Hause die Nachricht auf meiner Mailbox abgehört. 

Ich saß also noch halb angezogen auf unserem Sofa und schon bei den ersten Worten der Sprechstundenhilfe wusste ich Bescheid: hier war etwas anders als beim letzten Mal. Und nach wenigen Sekunden bestätigte sich: ich war schwanger!!!Ich werde diesen Moment niemals vergessen: ich hatte sofort Tränen in den Augen und war total erleichtert, dass es endlich soweit war. Es hat sich so schön und gleichzeitig so unwirklich angefühlt

2. Der Moment als ich meinen Mann mit den Neuigkeiten überraschen konnte

Bei meinem ersten positiven Schwangerschaftstest war mein Mann mit dabei und von der zweiten Schwangerschaft haben wir auch gemeinsam kurz vor einer geplanten OP im Krankenhaus erfahren. Ich hatte also bei beiden Schwangerschaften, die leider in einer Fehlgeburt endeten, keine Möglichkeit meinen Mann zu überraschen. Und jetzt bei der dritten Schwangerschaft war dieser Moment endlich da!

Ich habe mir überlegt, dass ich in die Stadt fahre und in der Babyabteilung etwas „eindeutiges“ für ihn kaufe. Das wollte ich ihm dann aufs Kopfkissen legen, sodass er es nachts (wenn er vom Sommerfest seiner Kanzlei zurückkommt) findet.

Weil ich so ungern lüge, habe ich sehr gehofft, dass er mich nicht in der Zwischenzeit anruft und mir etwas an meiner Stimme anmerkt. Das war zwar zum Glück nicht so, aber der Plan hat trotzdem nicht ganz geklappt: Ich habe in der Stadt einen sehr süßen Babyhasen gefunden und bin dann wieder nach Hause gefahren. Mein Mann wollte eigentlich direkt von der Arbeit zum Sommerfest gehen. Umso überraschter war ich als ich die Wohnungstür aufgeschlossen habe und er im Flur stand. Der Hase war zwar in einer kleinen Tüte, hat aber mit dem Kopf oben rausgeschaut und der Blick von meinem Mann ist sofort darauf gefallen. Ihm war dann auch sofort klar, was ich ihm damit sagen will und wir haben uns einfach nur umarmt. Bis heute sind wir wahnsinnig glücklich, dass es geklappt hat und freuen uns jeden Tag wieder neu über meine Schwangerschaft.

3. Der Moment als wir beim Ultraschall den Herzschlag gesehen haben

Weil ich ja schon zwei Fehlgeburten hatte, war für uns diesmal total wichtig mit dieser Schwangerschaft „weiter zu kommen“ als bei den letzten beiden Malen. Ganz, ganz besonders war deshalb auch der Moment als im Kinderwunschzentrum der zweite Ultraschall gemacht wurde. Und tatsächlich das kleine Herz von unserem Baby geschlagen hat!!! 

Ich wusste, dass Fehlgeburten mit diesem kleinen Meilenstein schon deutlich unwahrscheinlicher werden (immerhin weniger als 10 %). Dementsprechend waren wir wahnsinnig erleichtert und spätestens ab diesem Moment war ich eigentlich auch sehr zuversichtlich, dass diesmal alles gut wird. Dieses Gefühlt hat mich durch die ersten 12 kritischen Wochen getragen.

4. Der Moment als wir das Geschlecht erfahren und einen Namen für das Baby ausgesucht haben

Weil mein Frauenarzt auch Pränatal Diagnostiker ist und dementsprechend sehr gute Ultraschallgeräte hat, habe ich schon beim Ultraschall Termin in der 13. Woche auf ein Outing gehofft. Da der Arzt ja eigentlich vor der 15. Woche das Geschlecht nicht verraten darf, hatte ich mich sogar vorbereitet. Und im Internet recherchiert, wie man Jungen und Mädchen auseinanderhalten kann (falls er uns nix sagt) 😉

Mein kleiner Crashkurs hat aber wohl nicht ganz gereicht. Nach dem Ultraschall hatte ich die Vermutung, dass es ein Jungen wird. Ich habe unseren Arzt dann aber einfach gefragt, ob er schon etwas erkennen konnte. Und er hat gesagt, dass er sich zwar schon mal geirrt hat, aber, dass wir wohl ein Mädchen bekommen.

Grundsätzlich war uns das Geschlecht natürlich egal, aber dieser Moment ändert trotzdem ganz viel. Die ganze Schwangerschaft wird innerhalb von Sekunden nochmal viel konkreter, man hat Bilder im Kopf und auch die innerliche Beziehung zum Baby verändert sich.

In den nächsten Wochen haben wir uns dann viel über potentielle Mädchennamen ausgetauscht und seit wir uns dann auf einen Namen vorläufig festgelegt haben und das Baby auch so ansprechen, ist die Beziehung zu ihr nochmal ganz anders geworden. Sie ist jetzt nicht mehr ein „anonymes Baby“, sondern schon heute unsere kleine Tochter.

5. Der Moment als ich das erste Mal Babysachen gewaschen habe

Richtig konkret wurde die Schwangerschaft dann auch nochmal vor ein paar Tagen. Und zwar als ich das erste Mal ein paar Strampler und winzig kleine Spannbettlaken gewaschen habe. Die Sachen dann aufgehängt auf dem Wäscheständer in unserem Arbeitszimmer zu sehen, war total ungewohnt und so schön. Endlich gehören wir zu der Gruppe der Bald-Eltern!

Fazit

Bitte glaub mir: Wir mussten auch sehr viel durchmachen und es sah zwischendrin alles andere als gut für uns aus. Auch ich habe noch vor ein paar Monaten noch nach Wegen gesucht, endlich schwanger zu werden und gehörte zu der Gruppe der Frauen mit Langzeitkinderwunsch. Heute habe ich endlich die Seiten gewechselt, bin schwanger und erwarte in nur wenigen Monaten unser kleines Mädchen. Vielleicht bist auch Du nur einen Zyklus, einmal Sex zum richtigen Zeitpunkt, eine gesunde Eizelle und ein einziges Spermium von Deinem Baby entfernt. Bitte gib also nicht auf!

Ich wünsche Dir eine baldige Schwangerschaft!

Deine 

Julia Cathérine